Austro-Diminutiv

AUSTRO-
DIMINUTIV
PROJECTO

begonnen am 22. 10. 2003 von Stachel und Grenzfurthner

das wort, das es nur im diminutiv gibt, gilt es hervorzuheben und zu finden, nicht den diminutiv selbst. hiebei ist es wichtig, auf den richtigen genus zu kommen. -erl (= öst. für -chen) ist ja immer neutral, das nichtdiminutierte wort könnte aber auch masc sein, nicht immer fem. bsp. „der trensbart“ ist richtig, die „trensbarte“ gibt es nicht. hier ist etymologiewissenschaftliches feingefühl gefragt, mitunter auch knallhartes wissen.

fraglich ist, ob wir wörter gelten lassen sollten, die es in der nichtverkleinerten form
gibt, die aber da etwas ganz anderes bedeuten. z.b. die pocke, das pockerl. da plädieren wir doch glatt auf nein, um die spreu vom weizen zu trennen.

und was nie gilt:
sowas wie seidel/seiderl
(gez. die befasser)

hier zur Liste bei monochrom: austro-diminuitiv

Fernsehen muss nichtfunktionieren dürfen

Beitrag für dem Schwerpunkt „TVTV“ im „Versorger“, der Zeitung der Linzer Stadtwerkstatt

Fernsehen muss nichtfunktionieren dürfen

In Wien soll in rund einem Jahr ein Offener Fernsehkanal senden.

Vor mehr als 2 Jahren haben die Grünen im Wiener Gemeinderat die Absicht kundgetan, im Rahmen eines ausserkoalitionären Abkommens mit der SPÖ einen Offenen Fernsehkanal ermöglichen zu wollen. 2002 entstand eine Machbarkeitsstudie (unter Beteiligung des Autors), jetzt (Oktober 03) wurden konkrete Pläne zur Umsetzung und Finanzierung bekannt gegeben. Mit einer runden Million Euro pro Jahr wird das Projekt zu fast 100% von der Stadt gefördert, als Träger soll ein Verein aus „renommierten Persönlichkeiten aus dem Bereich Medien, Kunst, Wissenschaft und anderer für die Gesellschaft wichtiger Bereiche“ (Pressetext) die Unabhängigkeit vom Rathaus garantieren. Der Community Media Cluster Vienna (www.cmcv.at), eine Interessensvertretung der alternativen Medien in Wien, sieht in der vorgestellten Lösung „einen sinnvollen Startpunkt“, weist aber gleichzeitig darauf hin, „dass das Projekt nur dann erfolgreich realisierbar bleibt, wenn es gelingt, die Konzeption politisch unbeeinflusst umzusetzen.“ „Fernsehen muss nichtfunktionieren dürfen“ weiterlesen

Elffriedebuch

Das ist ein Text zu einem Elffriedebuch.

Dieses Elffriedebild besticht unter anderem durch einen relativ großen Punkt am Ellenbogen der linken Figur. Dieser Punkt ergibt für meine fantasielosen Augen keinen Sinn. Genauso wenig wie ein (verhältnismäßig) riesiges bordeauxrotes Objekt in einem der Bögen von meiner Ausgabe des Kinderbuches „Alle Jahre wieder saust der Presslufthammer nieder oder Die Veränderung der Landschaft“ von Jörg Müller, Frankfurt am Main 1973. Vielleicht war’s aber auch in „Hier fällt ein Haus, dort steht ein Kran und ewig droht der Baggerzahn oder Die Veränderung der Stadt.“ Auch Frankfurt, aber 1976. Eher war ’s der Presslufthammer.

Gerne habe ich, als ich an Jahren noch jünger war, alle 7 Bögen dieses Bildbandes im elterlichen Wohnzimmer nebeneinander aufgelegt und dann stundenlang studiert und verglichen. Die Reihe zeigt eine ländliche Idylle, die sukzessive durch Abrisse und Zubauten verschandelt wird. Als etwa Zehnjähriger fand ich die abschließenden Bilder immer am schönsten und beindruckendsten. Auf ihnen sieht man die völlig umge- bzw. verbaute Landschaft, aus der alles barocke und natürliche verschwunden und durch autofreundliche 70er-Jahre-Shoppingtempel ersetzt worden ist.

Heute denke ich anders, stehe dem Neoliberalismus kritisch gegenüber, meide den Einkauf in seelenlosen Shopping-Malls und würde jedem männlichen Leser, der von seiner Frau mit einer ganzen Einkaufstasche Nachwuchs beschenkt wird und sich ob der pädagogischen Herausforderung am Kopf kratzt, das Buch von Herrn Müller ans Herz legen.

Hier ein Faksimile des angesprochenen bordeauxroten Objekts:

Aus „Alle Jahre wieder saust der Presslufthammer nieder oder Die Veränderung der Landschaft“ von Jörg Müller, Frankfurt am Main 1973. Das Buch erhält keinen Hinweis auf das Objekt. Es passt weder stilistisch noch inhaltlich zum Rest des Bildes und Buches. Auch die beiden Buben haben mit diesem Objekt nichts zu tun. Wie dieses Detail zeigt, schauen sie knapp links daran vorbei.

Wenn Sie sachdienliche Hinweise zur Klärung des Problems haben, scheuen Sie sich bitte nicht, sie mir mitzuteilen.

Juni 2001.

update vom 11. 1. 2002:

Herr Hansjörg Widmer schreibt mir: „Das Ding ist vermutlich ein Heissluftspielzeug aus Draht und Papier, untendrin eine Konservendose mit Spiritus oder Benzin. Dass die Kinder scheinbar nicht hinschauen liegt eher an Müllers unpräziser Zeichnungs-Kunst. Vermute ich.“

Die Diskussion sei prolongiert.

update vom 1. 11. 2002:

Herr Stefan Matzinger schreibt mir: „.. habe das „sonderbare Objekt“ im Detail angeschaut. Sofort war mir klar, dass es sich dabei um einen selbstgebastelten Heissluftballon handelt, den viele Jugendliche in der Schweiz schon selbst hergestellt haben, sei es in Jugendorganisationen oder in der Schule. Das Gerüst besteht aus Maschendraht, welcher einen Kubus bildet und mit Seidenpapier überzogen wird. Am unteren, offenen Ende wird ein Diagonalkreuz aus Draht angebracht, um dessen Mitte ein mit Sprit getränkter Wattebausch befestigt wird. (In der Vergrösserung ist der brennende Wattebausch als hell leutender Punkt deutlich erkennbar) Zündet man den Wattebausch an, hält den Ballon gut in der richtigen Lage (sonst fängt das Papier Feuer) und wartet eine Weile, steigt er.“

Das scheint mir nun Beweis genug. Die Geschichte im Elffriedebuch ist dadurch natürlich ein wenig entzaubert. Aber man kann ja nicht alle Schweizer Bräuche kennen und erkennen.

Soho in Ottakring 2001

Robert Stachel hält eine Mausefalle, in der eine Plastikgabel steckt, und ein Plastikmesser, und steht dabei vor dem Bild „HOW WOULD WILDER DO IT?“ (Stickerei, 1996 von Stefanie Friedbacher nach einer Idee von Robert Stachel), im Ausstellungsraum Bersta bei „Soho in Ottakring„, 2001. (Foto: Elffriede)

Plädoyer für das Letscherte

zur einleitung: letschert kommt von „latschen“ und wird bei duden (1990) mit „schlapp, matt, kraftlos, fade“ übersetzt, was in der gastronomie nicht uneingeschränkt gültigkeit hat.
in zusammenarbeit von maschek und jg AT monochrom (bezeichnenderweise „das ende der nahrungskette“) entstand der vorschlag, die letschertheit von lebensmitteln mit der maßeinheit LÉTSCH zu messen, auf einer oben und unten geschlossenen skala.

0 letsch = knäckebrot, frisch bei ikea gekauft.
5 letsch ~ wurstsemmerl mit gurkerl, ca. 3 tage im schulranzen belassen.
10 letsch = nass gewordene soletti.

der physiker findet vielleicht noch eine variante, das ganze genauer zu machen, also etwa: ein letsch ist die letschertheit, die eine frisch gebackene semmel von einer einen tag alten semmel unterscheidet.

dass eine resche semmel einer letscherten vorgezogen wird, kann und will ich nicht verstehen. ich wünsche mir bäcker, die in ihren vitrinen damit prahlen, wie letschert ihre semmeln sind und diese sowohl ganz neu als auch 3tagealt anbieten. 3 letsch ist das idealalter einer handsemmel, nur dann eignet sie sich zum beispiel wirklich zum auftunken von saucen, v.a. gulasch. die typische semmel, die man spätabends beim wiener würstelstand angeboten bekommt, ist ein fall für die lebensmittelpolizei: sie ist nicht mehr frisch, hat bereits ca. 1-2 letsch und ist damit ungeniessbar. die semmel macht am zweiten tag ihres bestehens eine metamorphose durch, von der reschen (ok) zur letscherten (sehr ok). inzwischen muss sie in ruhe gelassen und am besten in eine papiertüte und ein plastiksackerl gewickelt werden. ab dem ca. 4. bis 5. tag wird die semmel dann steinhart und muss an enten verfüttert werden. enten mögen semmeln mit 10 letsch.

das künstliche herbeiführen des idealen letschgrades wäre ein schönes thema für eine emaildiskussion von letschliebhabern. einige methoden sind bekannt, v.a. das obengenannte schwitzenlassen in plastiktüten. erstaunlicherweise kann die mikrowelle wunder wirken, aber nur sekundenbruchteile trennen letschertgemachtes von zu stein gemachtem mikrowellengebäck. erfahrungswerte wären hier schön, empirisches forschen gut.

Diskussion: letsch ring (bei monochrom)

Grenzfurthner & Stachel

GRENZFURTHNER & STACHEL™ ist eine eingetragene Männerfreundschaft so wie MUCKENSTRUNZ & BAMSCHABL, nur ist Grenzfurthner größer als Muckenstrunz und Stachel ist kleiner als Bamschabl.

Sie machen Sachen.

das VerortungsDJing „Motördiskurs zett-Be in der Wiener Bar Modern Rhiz. „Berhizelung“ sagt Grenzfurthner posthum dazu, und für diese Art von Schöpfungen liebt ihn Stachel genausosehr wie dafür, daß er den Ausdruck „Sager“ niemals unironisch verwenden würde,

einen Abend für 2 Komödianten in „der Netbase“
(Anm. 2018: leider nicht mehr online)

Foto: Karl Ziegler, Dezember 2000.

Politisch sind GRENZFURTHNER & STACHEL™ wohl leicht zu durchschauen, und einen Zieher machen sie sowieso mit fast jedem, wenn gute Pressefotos dabei herausschauen.

Wer wen überleben wird, steht in den Sternen, Grenz mutmaßt bereits.

Update Feb. 2003: Stachel hat seit 8 Wochen nicht mehr geraucht, was den Spekulationen Grenzfurthners den Boden unter den schmächtigen Füßen wegzieht.

Update Aug. 2004: Schon über 2 Jahre kein Motördiskurs mehr, der zugehörige Chat verwaist und Stachel raucht immer noch nicht wieder.

Autoretro – Elvis 1977

An meinem (dritter von rechts) fünften Geburtstag stirbt Elvis Presley.

Ich erfahre davon jedoch erst in den 90er Jahren. Und denke noch Mitte der 80er, als in Wien das Musical „Elvis“ mit Hansi Dujmic in der Hauptrolle gegeben wird, da käme der Echte aus den USA.

„Das gehört eh nur zum Praterspielzeug“

(erschienen in „Uni aktuell“ im November 1995)

Mit der Volksabstimmung 1979 haben sich die Österreicher gegen Atomkraftwerke entschieden. Dennoch gibt es drei Atomreaktoren in Österreich, einer steht im zweiten Wiener Bezirk. Nur wenige wissen, was in dem schmucklosen Gebäude am Donaukanal wirklich vorgeht.

von Ulrich Salamun und Robert Stachel

Am unteren Ende des Praters, er­reichbar mit der U3 und einem kurzen Fußmarsch, wird die Idylle der Schrebergärten nur gestört durch ein Bauwerk, das außen der kleine Bruder der Stadthalle sein könnte. Ein mächtiger Block aus den 6Oer Jahren beherbergt eines der größten Universitätsinstitute – und eines der am wenigsten be­kannten: das Atominstitut, das allen österreichischen Universitäten gemeinsam gehört. Etwa vierzig Prozent seiner Studenten haben an der Uni Wien Physik oder Chemie inskribiert. Institutsvorstand Dr. Helmut Rauch ließ sich nicht lan­ge um einen Termin bitten, auf­klärende Publicity hat seine An­stalt auch nötig. 

„„Das gehört eh nur zum Praterspielzeug““ weiterlesen