Liebes Ich aus dem Jahr 1994!

Liebes Ich aus dem Jahr 1994! Du musst jetzt sehr stark sein: Ich habe gerade – ohne mit der Wimper zu zucken – alle meine SD-Karten mit weniger als 4 GB Speicherplatz aussortiert und weggeschmissen.

Jetzt muss ich mit schlechtem Gewissen an Dich denken. Ich weiß, für Deine erste 80 Megabyte-Festplatte bist Du gerade drei Wochen im Callcenter gesessen und hast von 9 bis 17 Uhr politischen Meinungsmüll zu Protokoll gebracht. Es wird trotzdem nicht umsonst gewesen sein, auch wenn Du das jetzt noch nicht verstehst.

„Ich bin nicht der Hofnarr von Wolfgang Schüssel.“

Bild: Ines Mahmoud

Also ein politischer Protest von Ihrer Seite?

Unbedingt! Das war eine aktionistische Intervention: Wir drehen denen den Ton ab und wir holen uns unsere Deutungshoheit zurück. Daraus entstanden eine Marke und ein Aktionismus, der bis heute hoffentlich in unseren Clips zu sehen ist.

Geht es immer um einen politischen Protest oder manchmal nur um die sprachliche Parodie an sich?

Im Idealfall ist es beides. Wir finden einer Nummer dann gelungen, wenn sie sowohl eine politische Dimension hat als auch deppert ist.

Quelle: Robert Stachel: Ich bin nicht der Hofnarr von Wolfgang Schüssel

Modern Stalking

erschienen 2014 als Vorwort zum Buch „Modern Stalking“ von Michael Dufek. (erschienen im Holzbaum Verlag)

Was bedeutet der Name? Kann man davon leben? Und wie kommt man auf so etwas? Die drei immergleichen Fragen des Redakteurs an den jungen Künstler. Michael Dufek verdient es, diese Themen gleich im Vorwort beantwortet zu kriegen. Also: Die Marke Dufitoon ist – unschwer nachvollziehbar – eine Zusammensetzung aus dem Nachnamen und dem Produkt des Künstlers. Die Marke ist gut, denn sie wächst mit. Sie passt zu dem, was Dufek jetzt – beim Steilwandanstieg seiner Karriere – macht, und sie passt auch, falls Dufek aus seiner Kunst ein Multimillionen-Unternehmen machen möchte, das computeranimierte Kinofilme in 3D produziert. „Hast schon den neuen Dufitoon gesehen?“ Klingt nicht verkehrt. „Meine Kinder kriegen gar nicht genug von diesem Dufitoon-Spielsachen“. Geht sich aus. „Modern Stalking“ weiterlesen

all the drug addicts

Am Donaukanal 2018 (Bild: RoSt)

Gerade am Nebentisch, zwei junge Frauen zu einem etwas verlorenen gleichaltrigen Touristen: „You go to Donaukanal, it’s a really cool place where all the drug addicts meet.“ (Hach, die gute alte Großstadtangeberei der neu eingetroffenen Wiener Studenten.)

Open Source oder Gummistiefel

Als ich im Frühjahr 2005 am finnischen Aktivismus- und Kunstfestival Pixelache teilnahm, besuchte ich unter anderem ein von Nokia als Festivalsponsor gehostetes Panel. Eine Handvoll grauer Herren aus dem mittleren Management des damaligen haushohen Weltmarktführers für Mobiltelefone stellte die eigene Marke zur Diskussion. Alles solle offen gesagt werden, man sei bereit von der Szene zu lernen.

Neben den erwartbaren Grundsatzdiskussionen, ob ein Konzern wie Nokia überhaupt Kunst und Diskurs sponsern und sich dafür gratis Knowledge-Transfer einkaufen dürfe, wurden eine Menge sinnvolle Vorschläge gemacht – im Ton nicht immer liebevoll, aber durchaus sehr konstruktiv: Nokia solle seine Geräte für alternative bzw. freie Betriebssysteme öffnen, Quellcode und Schnittstellen zugänglich machen, SMS/MMS und andere Dienste aus dem Gefängnis der Provider befreien, dafür Dienste wie Instant-Messaging über IP auf ihren Geräten ermöglichen. Man solle von Linux lernen, das ja auch von einem Finnen ausging.

Die Nokia-Leute hörten aufmerksam zu, zeigten aber kein Interesse die Ratschläge ernsthaft zu diskutieren. Mit der leicht angepissten Laune eines arroganten Kunstgönners, dessen Hand gerade von jenen gebissen wurde, die er füttert, zogen sie bald wieder ab. Die Festivalteilnehmer blieben mit dem Gefühl eines kleinen Kindes zurück, dass einem Erwachsenen euphorisch von seinen Traumschlössern und Ritterburgen erzählt und mit einem ignoranten Tätscheln auf den Kopf wieder in die Realität zurückgeholt wird.

Das alles fand über zwei Jahre vor Apples erstem iPhone und drei Jahre vor Googles Android statt. Heute, 8 Jahre später, hat Nokia seine Mobiltelefonsparte an Microsoft verkauft. Und es würde mich nicht wundern, wenn die alten grauen Herren von damals bald wieder zu Nokias einstigem Kerngeschäft zurückkehren: Autoreifen und Gummistiefel.

„Bei Faymann“ nicht im ORF – derStandard.at › Etat

Freude bei ATV

Denn anders als im Vorjahr hätte diesmal nicht der ORF für die Aufzeichnung verantwortlich gezeichnet, vielmehr „haben wir die Aufzeichnung mit einem eigenen Team durchgeführt und verkaufen nun die Lizenz für diese TV-Version, die auch auf DVD ausgewertet wird“, sagte Stachel. „Wir wollten, dass der Schnitt von uns kommt.“ Der ORF habe die Lizenz nicht gewollt, ATV dafür „freudenstrahlend gekauft“. Was man beim Privatsender bestätigt: „Wir haben uns sehr darüber gefreut“ , sagte Sendersprecherin Alexandra Damms. (APA)

Quelle: „Bei Faymann“ nicht im ORF: „Nicht ins Programm gepasst“ – TV – derStandard.at › Etat

„Ich glotz TV!“ (Kolik, 2008)

Gastbeitrag für kolik film, Sonderheft 10, Oktober 2008

Robert Stachel – Extras, 30 Rock, Saxondale

Nach den „Simpsons“ vor 20 Jahren gab es lange Zeit kaum eine Serie, die einen festen Platz in meinen Fernsehgewohnheiten eingenommen hat. Abgesehen vielleicht von „Futurama“ und „The Critic“, einer in Europa zu unrecht kaum wahrgenommenen Trickfilmserie aus den mittleren 90ern über Arbeit und Privatleben eines New Yorker Filmkritikers.

„„Ich glotz TV!“ (Kolik, 2008)“ weiterlesen