Maschek: „Es muss lustig sein“ « DiePresse.com

Robert Stachel: Eben weil er keine faktische politische Macht ausübt, macht ihn das ja zu einer österreichischen Figur. Wir wählen alle sechs Jahre einen Fürsten oder Kaiser, zu dem wir aufschauen wollen. In den Umfragen läge derzeit Alexander Van der Bellen vorne, was ich sehr interessant finde, weil niemals ein Grüner Bundeskanzler werden könnte. Aber dass der gute alte Professor Van der Bellen mit seiner Bärenhaftigkeit als Bundespräsident gehandelt wird, das ist sehr österreichisch. Das ist typisch für dieses Land. Der Professor, zu dem schauen wir auf, dem hören wir gerne zu, der tut uns nicht weh. Aber er soll nicht zu viel zu sagen haben, sonst verbietet er uns das Fleisch essen oder Auto fahren.

Quelle: Maschek: „Es muss lustig sein“ « DiePresse.com

Le Pain

Liebe deutsche Kommentatoren: Es heißt Le Pen, wie in „pennen“, und Macron, wie in „Makronen“. Und nicht le pain, wie in Brot, und Macraun, wie in.. äh, ihr versteht schon.

Interview mit ‚Nachgehakt‘: „Ich bin nicht der Hofnarr von Wolfgang Schüssel.“

Bild: Ines Mahmoud

Also ein politischer Protest von Ihrer Seite?

Unbedingt! Das war eine aktionistische Intervention: Wir drehen denen den Ton ab und wir holen uns unsere Deutungshoheit zurück. Daraus entstanden eine Marke und ein Aktionismus, der bis heute hoffentlich in unseren Clips zu sehen ist.

Geht es immer um einen politischen Protest oder manchmal nur um die sprachliche Parodie an sich?

Im Idealfall ist es beides. Wir finden einer Nummer dann gelungen, wenn sie sowohl eine politische Dimension hat als auch deppert ist.

Quelle: Robert Stachel: Ich bin nicht der Hofnarr von Wolfgang Schüssel

„Ich glotz TV!“ (Kolik, 2008)n

Gastbeitrag für kolik film, Sonderheft 10, Oktober 2008

Robert Stachel – Extras, 30 Rock, Saxondale

Nach den „Simpsons“ vor 20 Jahren gab es lange Zeit kaum eine Serie, die einen festen Platz in meinen Fernsehgewohnheiten eingenommen hat. Abgesehen vielleicht von „Futurama“ und „The Critic“, einer in Europa zu unrecht kaum wahrgenommenen Trickfilmserie aus den mittleren 90ern über Arbeit und Privatleben eines New Yorker Filmkritikers.
Vor einigen Jahren kam „The Office“ auf meinen Bildschirm und hat mir – so wie vielen anderen – den Glauben an das Fernsehen zurückgegeben. Mit ihrer zweiten Sitcom „Extras“ haben Ricky Gervais und Stephen Merchant noch eines draufgelegt und so etwas eine Meta-Fernsehserie geschaffen. Verletzte Eitelkeiten, erbarmungslose Produktionshierarchien und die unendlich nüchterne Alltagsrealität von Film- und Fernsehproduktionen sind die Eckpfeiler der Handlung. Jede Folge beginnt damit, dass ein Starschauspieler in einer Schlüsselszene eines (fiktiven) Films zu sehen ist, während Komparse Andy Millman im Hintergrund den sprichwörtlichen dritten Zwerg von links gibt. Der Regisseur schreit „cut“, der Blickwinkel dreht sich um 180 Grad und das Leben der Komparserie (engl. extras) rückt in den Mittelpunkt. Welcher Statist war in der Szene prominenter zu sehen, wem gelingt es, einmal eine Zeile Text sprechen zu dürfen, und wer schafft es, den Star des Films kennenzulernen? In der zweiten Staffel darf Andy endlich die Karriere machen, die er sich immer gewünscht hat. Er bekommt seine eigene Serie bei der BBC, die Produktionsrealität und die vielen kreativen Kompromisse machen ihn aber immer mehr zum verzweifelten Zyniker, der sein Publikum verachtet und dem subjektiv weiterhin jeder Erfolg verweigert bleibt.

Fieberhaft warte ich in diesem Herbst auf die dritte Staffel von „30 Rock“, einer weiteren „Fernsehen-im-Fernsehen“-Serie, von der man liest, sie wäre in ihrer Konzeptphase eigentlich als Parodie einer Nachrichtenredaktion angelegt gewesen, ehe man Autorin und Hauptdarstellerin Tina Fey geraten hat, sie solle doch über das schreiben, was sie als ehemaliger Head-Writer der „Saturday Night Live“ am besten kennt: den Alltag einer überforderten Comedy-Redaktion in einem Sender, der nur seinen anspruchs- und geschmacklosen Aktionären verpflichtet ist. Größtartig verkörpert durch Alec Baldwin als hartgesottenen Kommunikationsprofi, der gleich in der Pilotfolge einen afro-amerikanischen Gangster-Rapper als neuen Star in die „Girlie Show“ hineinreklamiert, weil diese zuwenig männliches Publikum erreicht hat.

Dann noch „Saxondale“, die jüngste Serienproduktion von Steve Coogan für die BBC. Titelfigur Tommy Saxondale war in den 70er Jahren ein Roadie bei zahllosen Prog-Rock-Bands, wohnt heute in einem spießigen Vorort von London und verdient sich seinen Unterhalt als Kammerjäger (Slogan „Simply The Pest“). Nach der Scheidung von der Mutter seiner Tochter lebt er eine leidenschaftliche Beziehung zu Rocker-Braut Magz, die im nahegelegenen Shopping Mall einen Shop namens „Smash The System“ betreibt, der rotzige Sponti-T-Shirts verkauft und dessen rebellische Energie sich darin erschöpft, für den benachbarten Hochzeitsaustatter den Bürgerschreck zu geben. Jede Folge beginnt mit Tommys Besuch einer Selbsthilfegruppe für Anger Management, in der er sich zynische Duelle mit dem naiven Therapeuten liefert, um sich seiner intellektuellen Überlegenheit in der einfältigen Runde zu versichern.
Baby-Boomer Saxondale ist sich anders als Coogans früherer Charakter Alan Partridge seiner Unzulänglichkeiten durchaus bewusst. Als er wegen eines Schabenproblems in einen Provinz-Rockclub bestellt wird, trifft er auf eine junge Queen-Tribute-Band, die Probleme beim Soundcheck hat. Er hilft aus und wird von den Mittzwanzigern eingeladen, sie nach dem Konzert backstage zu besuchen. Partywütig und komplett verladen stürzt er also spät abends in die Garderobe, gemeinsam mit dem Lehrbuben seines Unternehmens, dem er gerne endlich zeigen möchte, wie sein früheres Roadie-Leben ausgesehen hat. Statt Sex, Drogen und Rock’n’Roll findet er eine nüchterne und still sitzende Band vor, die Kostüme sind artig aufgehängt, der eine trinkt Saft, der andere liest ein Buch und der dritte arbeitet an seinem Apple Laptop. Dieser Moment lässt Saxondale arm aussehen wie Charlton Heston im „Planet der Affen“, als der die Freiheitsstatue entdeckt und weiss, dass er nie wieder dortin zurückkehren wird, wo er hergekommen ist.

Alle genannten Serien (sowie das an anderer Stelle besprochene „Curb Your Enthusiasm“) stellen wenig glamouröse Alltagstypen in den Mittelpunkt, zeigen das Scheitern als Handlungsprinzip und beziehen einen Gutteil der Pointen aus jener beklemmenden Fremdscham, die nur möglich wird, wenn man den Antihelden so sehr mag, dass man auf und an seiner Seite durch die Serie durchgeht, und sich nicht abwenden kann, wenn man sich für ihn geniert oder mit ihm leidet. Die Qualität der Serien ist auch der Tatsache geschuldet, dass sie alle von ihren Hauptdarstellern konzipiert, geschrieben und teilweise auch produziert werden. Man ahnt, dass sich Larry David, Ricky Gervais oder Tina Fey ihre Figuren nicht nur auf den Leib schreiben, sondern mit viel Risiko, Improvisation und Leidenschaft aus sich selbst herausholen. Die dadurch erzeugte Nähe und Authentizität bleibt selbst in den Momenten absurdester satirischer Übertreibung bestehen. Und man lacht mittendrin statt nur darüber.

Die schönsten Helvetismen

 

migros-bananenWenn Schweizer miteinander deutsch sprechen, so sprechen sie üblicherweise schweizerdeutsch. Wenn Schweizer mit des Deutschen mächtigen Nichtschweizern sprechen, so sprechen sie hochdeutsch. Was viele Schweizer jedoch nicht wissen, ist, dass einige der Wörter, die für sie perfekt hochdeutsch sind, außerhalb der eigenen Landesgrenzen trotzdem für Verwunderung sorgen und zur Verständigung mit Dritten nur beschränkt dienlich sind. (Auch Österreicher unterliegen mitunter diesem Irrtum: zum Beispiel ist die Allzweckphrase „das geht sich nicht aus“ in Deutschland und der Schweiz weder dazu geeignet Termine abzusagen noch einen Geldmangel auszudrücken.)

Etablieren wir also die 10 schönsten Helvetismen auch in Deutschland, Österreich und Luxemburg. Und zwingen wir dafür die Schweizer, im Gegenzug das scharfe ß wieder zu verwenden.

**) Bei diesen Einträgen bestehen Zweifel, ob sie von den Schweizern selbst nicht doch als Schweizerdeutsch bzw. Schweizer Hochdeutsch erkannt werden – also im Gespräch mit Nichtschweizern bewusst unterlassen werden.

***) Bei diesen Einträgen bestehen Zweifel, ob sie nicht auch in Teilen Österreichs oder Deutschlands (die nicht unbedingt in unmittelbarer Nachbarschaft der Schweiz liegen) gebräuchlich sind.

Weitere Vorschläge, Anmerkungen, Einsprüche oder Verschiebungen bitte als Kommentar hier unten.

[Letztes Update: Sept. 2004]

Die Favoriten

  1. Hinschied: Tod
  2. einnachten: Nacht werden („Es nachtet ein.“)
  3. fertig: alle (D), aus (Ö) – „Der Lapin ist fertig.“ („Der Hase ist aus.“)
    zitiert aus dem Buch „Wenn man einen weißen Anzug anhat. Ein Tagebuch-Buch.“ von Max Goldt.
  4. zügeln/züglen: umziehen, übersiedeln (von einem Ort zu einem anderen)
    Anm.: Das gilt selbst für Daten auf Computern: „Outlook-Express-Daten zwischen PCs ‚züglen'“
    Anm. Dominique Haussener: Ein nettes Beispiel, wie verbreitet die Meinung ist, „züglen“ sei hochdeutsch, findet sich auf der Fehlerseite des größten Schweizer Internet-Providers Bluewin.
    Anm. Hans v. Rotenhan: Umziehen heisst nicht zügeln sondern züglen. Im Sprachgebrauch klinkt das wie „zügle“, was im Infinitiv sozusagen nach einem ’n‘ schreit.
  5. speditiv: schnell
    Anm. Hans v. Rotenhan: ein Wort, das ich in keinem Brief an Schweizer auslasse. Es heisst schnell und wird nur in Verbindung, etwas zu erledigen, verwendet. Ich habe auch schon Schweizer erlebt, die in einem englischen Brief schrieben „may I suggest to treat this matter speditively“.
  6. angefressen: begeistert (von etwas angefressen)
    Anm. Robert Stachel: Vorsicht ist geboten, das Wort bedeutet im Wienerischen genau das Gegenteil.
  7. parkieren, umparkieren: einparken bzw. sein Auto woanders hinstellen
    Anm. Christopher Wurmdobler: Durchsage by dä Migros St. Margareten: „Das Auto mit dem Kennzeichen XY bitte umparkieren“
  8. Natel: Mobiltelephon, Handy.
    Anm. Christopher Wurmdobler: Die Schweizer sagen statt Handy Natel nach der Telefongesellschaft.
    Anm. Dominique Haussener: Ursprünglich kommt der Begriff Natel von „Nationales Autotelefon“, ist jedoch ein eingetragene Marke der Swisscom. Da die Swisscom jedoch lange Zeit alleiniger Anbieter der Mobiltelefonie war, hat sich Natel quasi eingebürgert.
  9. Leerschlag: Leerzeichen
  10. Abänderung: Wechseljahre

Die Verfolger

  • Abdankung: Trauerfeier
  • abmachen, „wir machen morgen ab“: „wir treffen uns morgen“
  • absitzen: sich setzen, „Sitz ab, mach’s dir bequem!“
  • abspitzen: abschlagen, „Der Putz muss abgespitzt werden.“
  • Abwart: Hausmeister
  • allfällig: eventuell, etwaig, z.B. in Formularen: Allfällige zweite Adresse ***
    Anm. Robert Stachel: Das sagt man in Österreich auch gerne.
  • ändern: wird ohne „sich“ gebraucht. (Ansage bei Swisscom: „Diese Nummer hat geändert“)
  • anläuten: anrufen – „Lüetsch mi uf mim Natel a?“ („Rufst Du mich am Handy an?“)
  • antönen: andeuten
  • aufgestellt: fröhlich
  • ausschaffen: abschieben (z.B. Ausländer ohne Aufenthaltsbewilligung)
  • Beschrieb: Beschreibung
  • Betreibung: das Eintreiben von Schulden
  • Billet: Fahrschein
  • Camion: Lastkraftwagen
  • Car: Reisebus
  • Depot: Pfand
  • Egli: Barsch **
  • eindrücklich: beeindruckend
  • eine Busse bezahlen, gebüsst werden: Strafe bezahlen bzw. eine Geldstrafe kassieren
  • einstellen: eine Telefonnummer wählen („stell mr d Nummere vom Hans-Ruedi ei“)
  • es dünkt mich: mir scheint ***
    Anm. Hans v. Rotenhan: ist ein wunderbares Relikt aus Tagen, als das auch in Deutschland noch gebraucht wurde
  • Estrich: Dachboden (in Ö und D: fugenloser Fußboden)
  • Finken: Hausschuhe
  • fixfertig: fertig zubereitet, vor allem im Zusammenhang mit Fertiggerichten. ***
  • Fixleintuch: Spannbetttuch (D), Spannleintuch (Ö)
  • Fleischvögel: Rindsrouladen **
  • Fresszettel: Schmierpapier, Merkzettel.
  • Führerausweis: Führerschein
  • Garage: Werkstatt
  • glätten: bügeln
  • grillieren: grillen, barbecuen
  • gumpen: springen
  • Harrass: Kasten, Kiste (zum Beispiel Bierkasten)
  • harzig: zäh – „Aber der vielbeschworene Dialog über Kosovo kommt nur harzig voran.“
    Anm. Günther Hack: Findet man selbst in hochwertigsten Publikationen wie der NZZ regelmässig.
  • heben: halten, festhalten (das hochdeutsche „heben“ heisst auf Schweizerdeutsch „lüpfen“) ***
    Anm. Martin Osen: „heben“ im sinne von halten ist generell allemannisch (wird in dieser form unter anderem verifizierbar in vorarlberg, stuttgart bis nach ulm verwendet, sogar von personen, die von sich behaupten, hochdeutsch zu sprechen). darüber hinaus ist „heben“ auch im größten teil tirols üblich, also einem bairischen sprachgebiet (vergleiche: „des auto hebt nit in da kurvm“, zitat gerhard berger)
  • innert: innerhalb ***
    Anm. Robert Stachel: Las ich vor kurzem auch im Kurier. Etablierung ausserhalb CH beginnt.
    Anm. Axel Eble: „innert“ ist altes Deutsch und eher selten gebräuchlich, nichtsdestotrotz jedoch korrekt und nicht von helvetischer Prägung.
  • Jupe: Damenrock (aus dem Französischen)
  • Jus: Fruchtsaft
  • Kaffeerahm: Kaffeesahne
  • Kartoffelstock: Kartoffelbrei (D), Erdäpfelpüree (Ö)
  • Kontrollschild: Kfz-Kennzeichen
  • krampfen: hart arbeiten
  • laaf: schal, lasch langweilig **
  • lädelen: was neudeutsch unter window shoping bekannt geworden ist. **
  • lärmig: laut, lärmend
  • Lavabo: Waschbecken
  • Legi: Studentenausweis (–> Legitimationskarte)
  • Lichtsignal: Verkehrsampel **
  • lismen: stricken
  • lismeten: Strick (das Produkt beim Stricken)
  • lismeten: stricken
  • luften, „es luftet“: vgl. winden
  • lüpfig: „beschwingt“ (im Zusammenhang mit Musik) **
  • Morgenessen: Frühstück
  • Müesli: Müsli (in der Schweiz sind Müsli Mäuse)
  • Nachachtung verschaffen: dafür sorgen, dass eine Vorschrift oder Forderung befolgt wird
  • Nachtessen: Abendessen
  • Nastuch: Taschentuch
  • Nüsslisalat: Feldsalat, Rapunzelsalat (D), Vogerlsalat (Ö)
  • Pausenplatz: Schulhof ***
    Anm: Andreas Freitag: Pausenplatz ist kein Helvetismus, das ist z.B. im Frankenland (Würzburger Gegend, wo ich herstamme), eine durchaus gängige Bezeichnung für Schulhof.
  • Pendenzen: dringliche Aufgaben
  • Peperoni: Paprika
  • Perron: Bahnsteig
  • Pflichtenheft: Verzeichnis der mit einem Amt/einer Stelle verbundenen Aufgaben
  • pfunden: scheissen, kacken **
  • pfusen: schlafen **
  • pilzlen: Pilze suchen („go pilzle“) **
  • Plausch: Vergnügen, Spaß; einen Plausch haben
  • Pneu: Reifen
  • posten: einkaufen
  • pröbeln: rumprobieren, viele Versuche anstellen
  • Pünkte: (Tagesordnungs)punkte.
  • Rande: rote Beete
  • rassig: scharf (gewürzt)
  • Rechtsvortritt: rechts vor links (im Straßenverkehr)
  • Reservation: Reservierung (z.B. für Fahrkarten)
  • rezant: Beschreibung eines bestimmten Geschmackes. Es wird bei Käse verwendet, Ein Käsefondue kann rezant (herzhaft) sein oder aber laaf (s. ebd.)
  • Sackgeld: Taschengeld
  • Sackmesser: Taschenmesser
  • schaffen: arbeiten
  • Schale: Milchkaffee
  • schlitteln: rodeln
  • schmecken: riechen
    Anm. Martin Osen: „geschmack“ für geruch – zumindest in der verbform ist „schmecken“ für riechen im oberösterreichischen dialekt (bezirk kirchdorf) absolut üblich.
  • Seeanstoss (Seeanstoß): Seezugang – „ein Haus am Zürisee mit Seeanstoß“ ***
    Anm: Robert Stachel: „Seeanschluß“ kenn ich aus Österreich, aber ist das denn in Deutschland gebräuchlich?
  • Serviertochter: Kellnerin
  • snöben: Snowboard fahren **
  • springen: laufen
  • Stange: Glas Bier
  • Storen: Jalousien, Markise (Sonnenstore) über Sitzplatz
  • stossen: drücken (auf Türen), schieben (ein Fahrrad)
  • Telefon: Anruf, Du hattest ein Telefon von Herrn Maier.
  • Thon: Thunfisch
  • töggeln: Tischfussball spielen **
  • tönen: sich anhören – etwas tönt gut: etwas hört sich gut an
  • Traktandum: Tagesordungspunkt; Traktandenliste: Tagesordnung
  • Trolleybus: Oberleitungsbus
  • Trotinette: Tretroller
  • Trottoir: Gehsteig ***
  • Umschwung: das Land um ein Einfamilienhaus, z.B. der Garten
  • Umtriebe: Umstände. in Zürcher Trams stand bis vor einiger Zeit: ‚Werfen Sie kein Geld zum Fenster heraus! Fahrgäste ohne gültigen Fahrausweis haben bei unverzüglicher Zahlung eine Taxe von Fr. 50,- zu entrichten. Spätere UMTRIEBE werden zusätzlich verrechnet.
  • Unterbruch: Unterbrechung ***
    Anm. Friedrich Forsthuber: einige ORF-Reporter glauben das auch [dass das hochdeutsch wäre].
  • urchig: urig
  • Velo: Fahrrad
  • Vereinshöck: Stammtisch **
  • Vernehmlassungsverfahren: bestimmte Phase innerhalb des Vorverfahrens der Gesetzgebung (Link)
  • verunfallt: einem Unfall zum Opfer gefallen ***
    Anm André Voigt: Im Deutschen heißt es nach meinem Wortschatz genauso (gebürtiger Sachse, wohnhaft in Frankfurt).
  • verzeigen: anzeigen. „Die Polizei hat ihn verzeigt.“
  • winden, „es windet“: Der Wind weht. ***
    Anm. Axel Eble: „es windet“/“es luftet“ ist generell alemannisch. In meiner Heimat Freiburg ist das auch gebräuchlich, „luften“ allerdings deutlich seltener. (s. ebd.)
  • wischen: kehren
  • wunderfitzig: neugierig.
  • Zuchetti: Zucchini

Quellen/Mitarbeit: NZZ, micro-mobility, Nives Widauer, Thomas Voirol, Norbert Breda, Friedrich Forsthuber, Christopher Wurmdobler, Andreas Leo Findeisen, Günther Hack, Andreas Freitag, Dominique Haussener, cb4yh@…, André Voigt, Philippe Welti, Axel Eble, Hans v. Rotenhan, Jens Paulsen, Rafael Bischof, Peter Wyss, Martin Osen, George Meier, Christoph Stinner, Gabriele Horber, Martin Leitner, cetlin.

Ich brauche mehr Details.

(geschrieben 2003 für den FM4 Weblog von Johannes Grenzfurthner)

Wiederannäherung an eine westdeutsche Filmkomödie der 80er Jahre.

„Didi – Der Doppelgänger“ kam 1984 ins Kino. Der Film lief im Zentral Kino in Wiener Neustadt, einem ehemaligen Theater mit sehr schönem Zuschauerraum, in dem es sogar Logen und eine Galerie gab. Auch hatte es für die 80er Jahre – also noch vor Erfindung der Vorstadtplex-Kinos – ein angenehm großes Foyer. Es war abgefuckt und roch etwas ältlich, aber es war gemütlicher als die Mitbewerber Theater- und Forum-Kino.

In den 80ern waren uns 12jährigen alle Ablenkungsmöglichkeiten während des Wartens auf den Saaleinlass höchst willkommen. Das SMS und der Klingelton waren ja noch nicht marktreif. Im Zentral Kino gab es dafür mehrere Schaukästen für kommerzielle und soziale Einrichtungen. Einen davon bespielte ein ortsansässiger Kampfsportverein. Neben Fotos, Medaillen, Gürtel und Tabellen schmückten die Vitrine auch einschlägige Utensilien und Kleidungsstücke. Das ausgestellte Suspensorium zum Schutz der Körpermitte des Kämpfers war ein nicht enden wollender Quell der Unterhaltung, sein impliziter Witz wurde ja zu jener Zeit auch bei „Die Einsteiger“ mit Gottschalk/Krüger sehr anschaulich thematisiert und Jahre später in einer Simpsons-Folge (5F03, „Bart Star“) zelebriert.

Zurück: Der 28jährige Reinhard Schwabenitzky hat 1975 „Ein echter Wiener geht nicht unter“ für den ORF gedreht. Dieter Hallervorden, geboren 1935 in Dessau, hat 1975 den Klassiker „Nonstop Nonsens“ für das deutsche Fernsehen eingespielt.

Und 1984 taten die beiden sich zusammen für „Der Doppelgänger“. Didi hatte zu dem Zeitpunkt schon einige Filme fürs Kino hinter sich, unter anderem die Gaunerkomödie „Ach du lieber Harry“, interessanterweise unter der Regie von Jean Girault, dem wir einen Gutteil der besseren Louis-de-Funes-Filme zu verdanken haben (neben Claude Zidi, Gerard Oury oder Edouard Molinaro). Das Buch zum „Doppelgänger“ kam von Christian Rateuke und Hartmann Schmige nach einem Stoff von Walter Kempley. Die sehr eingängige Titelmelodie stammt von Harold Faltermeyer, der noch im gleichen Jahr mit „Axel F.“ international punkten konnte.

Cast: Dieter Hallervorden (Bruno Koob und Hans Immer), Ruth-Maria Kubitschek (Immers Frau), eine brilliante Elfi Eschke (Immers Sekretärin Kranich), Gert Burkard (Poldi von Pösel), der frühere DEFA-Star Winfried Glatzeder (Brunos Kumpel Pete) sowie Tilo Prückner, Hans-Joachim Grubel und ein furchtbar überdrehter Götz Kauffmann (Ganovenbande).

Die Geschichte: Bruno Koob hat eine kleine schlecht besuchte Kneipe, Hans Immer ein florierendes Riesenunternehmen. Die beiden gleichen einander optisch bis aufs Haar. Immer erfährt durch eine Verkettung von Zufällen (an denen er nicht unschuldig ist) von Koobs Existenz und nötigt ihn, als sein Doppelgänger zu arbeiten. Offiziell um ein paar Tage Urlaub machen zu können, tatsächlich aber um den armen Koob einer Bande von Kidnappern ans Messer zu liefern und sich schadlos zu halten. Die Arbeit eines Konzernchefs seines Kalibers kann Immer seiner Vertretung in wenigen Minuten erklären. Die wenigen Fixpunkte im Tagesablauf schreibt er penibel auf einen Zettel und für den Fall, dass er in davon abweichende Situationen kommen sollte, solle er sich mit einer Floskel aus der Patsche helfen: entweder „Ich brauche mehr Details“ oder „Schreiben Sie’s auf, ich beschäftig‘ mich später damit.“

Als Koob bei einer Vorstandsitzung erfährt, dass sein Doppelgänger für den geplanten Abriss seiner Kneipe und seines Wohnhauses verantwortlich ist, schwört er Rache. Er lernt sich schnell in die Rolle des Großkapitalisten ein und kämpft, direkt im Zentrum der Macht sitzend, subversiv-süffisant für sein Recht.

Der Film ist 20 Jahre später – anders als viele andere deutsche Komödien der 80er Jahre (auch die meisten anderen Didi-Filme) – auch ohne das Trash-Attribut noch gültig. Er ist rasant erzählt und wird trotzdem für 80er-Verhältnisse nur selten hysterisch. Das Handwerk ist ein solides, und für die üppigen Einrichtungen und Aufbauten würden wir heute sogar unsere Kugel-Lampen und Verner-Panton-Sesseln aus den 70ern auf den Müll werfen.

Mehr dann am Sonntag, den 25. Jänner 2004 im Einführungsvortrag (im monochrom-Raum im MQ, siehe Lageplan). Beginn 20:30, anschließend Video-Screening des Films.

Post Scriptum: Dem/der SammlerIn sei gesagt: Zum 20. Jubiläum von „Didi – Der Doppelgänger“ wird Anfang 2004 endlich eine DVD auf den Markt kommen, und sie verspricht auch schönes Bonusmaterial: http://www.didi-dvds.de/

Fernsehen muss nichtfunktionieren dürfen

Beitrag für dem Schwerpunkt „TVTV“ im „Versorger“, der Zeitung der Linzer Stadtwerkstatt

Fernsehen muss nichtfunktionieren dürfen

In Wien soll in rund einem Jahr ein Offener Fernsehkanal senden.

Vor mehr als 2 Jahren haben die Grünen im Wiener Gemeinderat die Absicht kundgetan, im Rahmen eines ausserkoalitionären Abkommens mit der SPÖ einen Offenen Fernsehkanal ermöglichen zu wollen. 2002 entstand eine Machbarkeitsstudie (unter Beteiligung des Autors), jetzt (Oktober 03) wurden konkrete Pläne zur Umsetzung und Finanzierung bekannt gegeben. Mit einer runden Million Euro pro Jahr wird das Projekt zu fast 100% von der Stadt gefördert, als Träger soll ein Verein aus „renommierten Persönlichkeiten aus dem Bereich Medien, Kunst, Wissenschaft und anderer für die Gesellschaft wichtiger Bereiche“ (Pressetext) die Unabhängigkeit vom Rathaus garantieren. Der Community Media Cluster Vienna (www.cmcv.at), eine Interessensvertretung der alternativen Medien in Wien, sieht in der vorgestellten Lösung „einen sinnvollen Startpunkt“, weist aber gleichzeitig darauf hin, „dass das Projekt nur dann erfolgreich realisierbar bleibt, wenn es gelingt, die Konzeption politisch unbeeinflusst umzusetzen.“ „Fernsehen muss nichtfunktionieren dürfen“ weiterlesen